Als dritter Zweig neben der Fußball- und Tischtennisabteilung wurde die Turnabteilung am 26.03.1966 gegründet. Erster Abteilungsleiter war Siegfried Probst, und zunächst bestand die Abteilung ausschließlich aus einer Männergruppe. Bereits wenige Monate später wurde unter der Leitung von Hannelore Krapf auch eine Frauengruppe ins Leben gerufen.
Während das Männerturnen im Laufe der Zeit immer weniger Teilnehmer hatte und schließlich ganz eingestellt wurde, entwickelte sich die Frauengruppe stetig weiter. Im Jahr 2008 entstand in Hausen am Bach unter der Leitung von Albert Pfänder eine neue Gruppe, die bis heute erfolgreich besteht.
Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums: Ein Interview mit Margot Meyer
(durchgeführt von Silke Schmidt und Christa Rühling)
Hallo Margot! Die Abteilung des SV Brettheim wird dieses Jahr 60 Jahre alt. Und du warst von 1977 bis 1995 Abteilungsleiterin. Das sind 18 Jahre!
Wie geht es Dir?
Ja was soll ich sagen, ich bin zufrieden, aber meine Beine machen mir Probleme und ich kann nicht mehr ganz so gut laufen. Einfach nicht ausdauernd laufen.
Fehlt dir das?
Ja! Wir sind viel gelaufen: mit Sabine Albich-Deuscher und ihrer Nordic-Walking-Gruppe jede Woche zwei Mal.
Wenn das Laufen nicht mehr so gut geht, wie hältst Du Dich fit?
Ich bin jetzt wieder dran: Ich möchte wieder in die Gymnastikgruppe gehen, aber da bin ich manchmal zu nachlässig. Ich bin abends oft zu müde.
Wie bist du damals zur Turnabteilung gekommen?
Die Turnhalle wurde 1965 gebaut und ich wusste, dass die Grundschüler keinen Sportunterricht hatten. Die Kinder sind draußen rumgerannt, haben Völkerball gespielt oder andere Ballspiele, aber eben keinen Sportunterricht. Das war der eigentliche Grund, warum wir damals gesagt haben: hier müssen wir etwas tun, damit die Turnhalle in der Richtung genutzt wird. Somit haben wir mit 5 Kindern angefangen.
Und was hat Dich am Turnen begeistert?
Ich hatte eigentlich keinen Bezug zum Turnen. Aber der Grundgedanke war, dass unsere Kinder die Möglichkeit haben müssen, die Turnhalle zu nutzen. Der damalige Grundschulrektor in Brettheim hatte ein Gespür dafür, welche von seinen Schülern zu uns ins Turnen kommen werden. Er hat später eine Leichtathletikgruppe mit Jungen geleitet.
Was hat Dich 1977 motiviert Abteilungsleiterin zu werden?
Das weiß ich auch nicht mehr so genau … Ich hatte damals Übungsleiterlehrgänge absolviert und die Kinder wurden immer mehr. Da hat man jemand gebraucht, der das Ganze in die Hand nimmt und organisiert: die Freizeiten, die Turnstunden und so weiter. Man hat damals eng mit dem Turngau zusammengearbeitet und auch immer Unterstützung bekommen.
Wie war das damals in der Turnabteilung und was hat sich im Laufe der Zeit verändert?
Alles hat sich im Lauf der Zeit verändert, vor allem verbessert. Am Anfang hatten die Helfer keine Ausbildung. Später machten viele der Gruppenleiter eine Fortbildung. Und die Anzahl der Kinder hat uns dazu gebracht, die Turnstunden aufzuteilen: dann waren nur zwei Jahrgänge zusammen. Es kamen Kinder vom Kindergartenalter bis hin zu den Jugendlichen.
Welche Aufgaben hattest Du?
1969 habe ich als Gruppenleiterin angefangen mit den 5 Kindern. Wir sind da schon bei Wettkämpfen angetreten. Zuerst haben wir geschaut, dass Geräte angeschafft werden. Anfangs lief alles über den Sportverein, dann über die Gemeinde für das Schulturnen. So hatten die Kinder regelmäßigen Sportunterricht im Stundenplan. Das gab es vorher nicht. Wir im Verein haben den Kindern die Geräte vorgestellt, dass sie überhaupt wissen, was zum Beispiel ein Stufenbarren ist. Eine Neuheit für die Kinder war das Mini-Trampolin, das hatten die Kinder noch nie gesehen. Ziel war es, dass die Kinder an jedem Gerät Grundfertigkeiten erlernten.
Hatte die Schule auch ein vergleichbares Ziel?
Das war schwierig, in 45 Minuten umziehen, aufbauen, turnen und wieder abbauen. Den Lehrern hat einfach die Zeit gefehlt. Deshalb hat es auch nie wirklich Geräteturnen in der Schule gegeben. Das haben die Kinder alles bei uns gemacht.
Und dann habt ihr auch an Wettkämpfen teilgenommen …
Ja, wir hatten ganz viel Unterstützung aus Kirchberg. Die hatten vier Mal in der Woche Übungsstunden, wir nur ein Mal. Zum Wettkampf sind wir mit einem ganzen Bus hingefahren. Es gab gemischte Wettkämpfe mit 4 Geräten.
Gab es besondere Erlebnisse und Ereignisse?
Wenn wir Kinder unter den ersten Zehn hatten, waren wir sehr glücklich. In Leichtathletik hatten wir sehr gute Sportler dabei: Monika Busch und Hans Bardon waren Asse in Leichtathletik. Es gab Kämpfe in Laufen, Weitsprung und Weitwurf. Ein Sportlehrer wollte die Moni zum Speerwerfen bringen, weil er sie für sehr talentiert hielt. Aber bring mal ein Kind in ein Training für eine spezielle Sportart … da hätte man immer nach Crailsheim fahren müssen. Moni ist dann bei Schlagball und Schleuderball geblieben.
Wie hast Du es all die Jahre geschafft, die Menschen zum Sport zu animieren?
Das war eigentlich ein Selbstläufer. Ins Turnen sind die Kinder von sich aus gekommen. Es hat Fußball gegeben und sonst nichts. Sonst war ja nichts da! Wir haben nicht nur geturnt, wir haben auch Ballspiele gemacht und so was. Breitensport halt. Und dann ist eine Zeit gekommen, da durften wir die Kinder nicht mehr zu Wettkämpfen melden, weil wir keinen eigenen Kampfrichter hatten. Da musste jeder Verein einen Kampfrichter stellen, das fand ich damals nicht gut. Am Anfang durfte man noch ohne Ausbildung Kampfrichter machen.
Und später fand das Spielturnen beim Kinderturnfest als Wettkampfersatz statt?
Ja das waren einfache Dinge wie Parcourslaufen, Dinge in Kästen werfen oder balancieren. Dann gab es einen Wimpelwettstreit: Alle Vereine haben den gleichen Tanz einstudiert und den dann als „Massenveranstaltung“ auf dem Sportplatz vorgeführt. Jeder Verein durfte dann für sich etwas aufführen, was auch bewertet wurde. Es gab als Preis ein Fähnchen, das an den Vereins-Wimpel angeheftet wurde. Irgendwo gibt es unseren noch. Wir haben mehr als ein Mal gewonnen und immer kam ein Fähnchen hinzu.
Was macht unseren Sportverein so besonders?
Es ist ein gewisser Zusammenhalt da. Wir haben uns oft sonntags getroffen, ganze Familien, und Ausflüge gemacht. Es war Gemeinschaft! Man hat aufeinander aufgepasst. Irgendwann hat sich ein Wandertag in der Frauengruppe etabliert. 20 Jahre lang sind wir einmal im Jahr wandern gegangen. Hauptsächlich sind wir ins Allgäu, weil das von der Entfernung her noch im Rahmen liegt. Wir sind morgens mit dem Bus runtergefahren und abends auf dem Rückweg sind wir noch eingekehrt. Aber das hat sich dann geändert, als die Lenkzeiten der Busfahrer eingeschränkt wurden. Auch die Kosten für die Busfahrt sind in die Höhe geschossen. Trotz Zusammenschluss mit Rot am Seer Frauen ist der Bus nicht mehr voll geworden.
Kannst Du dich an besonders schöne Wanderungen erinnern?
Allgäu war immer schön! Wir haben alles immer vorher organsiert und sind die Strecke vorher abgelaufen, damit wir wussten, wann wir ungefähr wo eine Rast machen konnten. Ich habe sogar ein Album geschenkt bekommen, mit Fotos all unserer Wanderungen. Auf dem Weg zur Mindelheimer Hütte haben wir Steinböcke gesehen. Das war etwas ganz Besonderes. Bei einer Mitwanderin hatte sich bei einer anderen Wanderung schon beim Aufstieg der Schuh in Einzelteile aufgelöst. Leider hatte der Hüttenwirt oben keine Ersatzschuhe. Also wollte sie mit der Materialseilbahn wieder hinunter. Das war aber absolut verboten. Am nächsten Tag kam der Hüttenwirt und hat mit Klebeband den ganzen Schuh mitsamt dem Fuß umwickelt. So hat sie dann den Abstieg bis zum Bus gemeistert.
Was wünschst Du Dir für die Zukunft?
Oh je! Was wünscht man sich in meinem Alter? Dass man halbwegs das machen kann, was man will. Und zufrieden sein mit dem, was ist, und an dem zehren, was gewesen ist. Von den Ausflügen erzählen wir uns noch oft!
Wir bedanken uns herzlich bei Margot Meyer für dieses nette Gespräch und wünschen ihr, dass sie noch lange fit und gesund bleibt!

Auf dem Foto: Margot Meyer, 6. von links
Zur Info:
1965 Einweihung der Turn- und Festhalle in Brettheim
1966 Gründung der Turnabteilung mit einer Männergruppe
1969 Start einer Kinderturngruppe mit 5 Kindern
1976 Einweihung des Sportplatzes an der Turnhalle
1977 Margot Meyer wird Abteilungsleiterin nach Siegfried Probst und Karl-Heinz Rühling
1994: ca. 85 Kinder in 5 Turngruppen und ca. 25 Frauen in der Gymnastikgruppe
2004: ca. 150 Kinder in 7 Gruppen und 40 Frauen in 2 Gruppen
2026: ca. 140 Kinder in 6 Gruppen und 50 Erwachsene in 5 Gruppen

Margot Meyer wird zum Ehrenmitglied des SV Brettheim ernannt
